ELENA und Berufsethos

Hier wollte ich über Aktuelles aus der Zahnmedizin, über unsere Praxis, Materialien und Werkstoffkunde schreiben. Doch dann kam mir ELENA in die Quere. Plötzlich war aus diesem Blog ein „Meinungsblog“ geworden.

ELENA hat mich mit einem Ruck aus dem zahnmedizinischen Alltag gerissen. Nun gut, ein politischer Mensch war ich schon immer und eine freiberufliche Grundeinstellung war immer mein Leistungsantrieb.

Ich empfinde es bedrohlich, wie die freiheitlichen Grundrechte der Menschen sukzessive eingeschränkt werden. Ich betrachte ELENA als weiteren Schritt, die „Masse“ Mensch nur noch archivieren, verwalten und organisieren zu wollen. Wir verlieren aber die Vielfalt, die Kreativität, die Individualität unserer Gesellschaft, wenn wir nicht aufhören, Menschen als „Daten“ zu erfassen.

Unsere Hochkultur wird sich selbst strangulieren, denn sie wird nicht mehr lebendig sein, nicht mehr leistungsfähig, nicht mehr innovativ. Es wird ihr der freie Geist fehlen.

Auch wenn Herr Brüderle kleinere Betriebe nun von ELENA verschonen möchte und das Gesetz „überarbeiten“ will, packt er das Übel damit nicht an der Wurzel. Dieses Gesetz muß abgeschafft werden. Es hätte niemals in Kraft treten dürfen. Herr Brüderle will vornehmlich die mit ELENA verbundene bürokratische Belastung von den Schultern der kleinen Betriebe nehmen. Dafür bin ich ihm natürlich auch dankbar, aber darum geht es doch eigentlich gar nicht!

Als (passives) FDP Mitglied ist es mir ein Rätsel, warum nicht schon bei der Verabschiedung des Gesetzes ein lauter Aufschrei durch die Reihen der FDP ging. Warum, liebe FDP? Ich verstehe Euch nicht!

Letzte Woche hat mich die Abendzeitung interviewt.

Ich danke Frau Tina Angerer sehr für dieses interessante und offene Gespräch. Sie gab mir Gelegenheit, meinen Widerstand öffentlich zu machen. Ich hoffe, daß sich noch mehr Arbeitgeber finden, die ELENA verweigern, für die Freiheit!

Aus der Berufsordnung für die Bayerischen Zahnärztevon 2002 (das war immerhin die gültige Berufsordnung zum Zeitpunkt meiner Approbation 1994) ergibt sich für mich ein moralischer Widerspruch, ELENA in meiner Praxis umzusetzen.

Die Präambel der Berufsordnung für die Bayerischen Zahnärzte vom 20. Oktober 1979

(BZB 12/1979, S. 51), geändert durch Änderungssatzung vom 11. März 2002 (BZB 4/2002, S. 88 f.)

Präambel

Für jeden Zahnarzt gilt folgende Grundeinstellung:

“Ich werde meinen Beruf mit Gewissenhaftigkeit und Würde ausüben. Die Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit meiner Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein.

Ich werde alle mir anvertrauten Geheimnisse wahren.

Ich werde mit allen meinen Kräften die Ehre und die Überlieferung des ärztlichen Berufes aufrechterhalten und bei der Ausübung meiner zahnärztlichen Pflichten keinen Unterschied machen weder nach Religion, Nationalität, Rasse, noch nach Parteizugehörigkeit oder sozialer Stellung.

Ich werde jedem Menschenleben Ehrfurcht entgegenbringen und – selbst unter Bedrohung – meine zahnärztliche Kunst nicht in Widerspruch zu den Geboten der Menschlichkeit anwenden.

Ich werde meinen Lehrern und Kollegen die schuldige Achtung erweisen.

Dies alles verspreche ich auf meine Ehre.”

Anmerkung: Diese Berufsordnung wurde im Jahr 2006 geändert und ist so nicht mehr gültig.

Warum sollten wir Zahnmediziner bzgl. Datenschutz an unsere Patienten andere Maßstäbe setzen als an unsere Mitarbeiter?  Für beide tragen wir Verantwortung. Wir verantworten für unsere Mitarbeiter ein hohes Maß an Arbeitssicherheitsmaßnahmen.

Gehören da die persönlichsten Daten nicht auch dazu?

Zahnärzte München


4 Replies to "ELENA und Berufsethos"

  • Tweets die Zahnartistin » Blog Archiv » ELENA und Berufsethos erwähnt -- Topsy.com
    11. April 2010 (16:08)
    Reply

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Michael Jaeger, ochsenkuehn, Lavinia Steiner, Johannes, Dr. K. Zickenheiner und anderen erwähnt. Dr. K. Zickenheiner sagte: Blog-Update ELENA und Berufsethos – http://tinyurl.com/yctd2ka [...]

  • Lavinia
    11. April 2010 (16:36)
    Reply

    Liebe Kristiane,

    ich kann nicht oft genug wiederholen, wie toll ich dein Engagement gegen dieses Datenmonster ELENA finde. Bleib weiter als Arbeitgeberin dran! Ich habe mich als Mitglied der Netzpolitikkommission der Grünen in Ba-Wü und als Angestellte der vor kurzem eingereichten Verfassungsbeschwerde angeschlossen.

    Liebe Grüße
    Lavinia

    • Dr. Kristiane Zickenheiner
      11. April 2010 (16:45)
      Reply

      Liebe Lavinia,
      wenn schon Widerstand dann solange bis das Ziel erreicht ist und nicht mal kurz auf nem “Hype” mitschwimmen!
      Liebe Grüße

  • Lavinia
    11. April 2010 (16:50)
    Reply

    Das ist die beste Einstellung! Wünsche ich mir von mehr Arbeitgeber_innen! :)
    Schönen Sonntag euch noch, Gruß an Michael!


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