Historisches

Kleine Geschichte des Zahnarztes

Haben Sie sich schonmal Gedanken darüber gemacht, warum die Menschen auf allen Bildnissen bis in die Neuzeit nie lächeln oder lachen?

Die Antwort ist relativ simpel: Weil sie kaum noch Zähne hatten, bzw. sehr schlecht gepflegte Zähne. Herrscher, ob Kaiser oder Könige mit faulen Zähnen abzubilden, wäre einem Frevel geichgekommen und vielleicht sogar mit dem Tode bestraft worden.

Doch bereits die alten Ägypter beschäftigten sich mit dem Thema Zahnpflege und hielten viel von Pülverchen und Natron zum Spülen. Nicht nur das berühmte Bad in Eselsmilch für die zarte Haut, sondern auch die Schönheit der Zähne war den alten Ägyptern wichtig. Im Lied der Lieder, dem Hohelied von König Salomo, wird die Schönheit des Gebisses der Königin von Saba gepriesen.

Doch allzu ernst nahm nahm es trotz der Lobpreisung des schönen Gebisses der Königin im Allgemeinen mit der Zahnpflege nicht. Und so musste sich eine Ärzteschaft bilden, die diesen Problemen eine Lösung bieten konnten. Nicht nur faule Zähne, sondern insbesondere abrasierte Zähne schafften Leiden. Die Nahrung dieser Zeit war zu hart und der Wüstensand tat sein Übriges. Herr der Lage wurden die Ägypter aber nicht, so sehr sie sich auch bemühten. Und Zahnbürsten oder Zahnstocher kannten sie noch nicht. Den berühmten vergifteten Zahnstocher, welcher den Tyrannen Agathokles von Syrakus das Leben kostete, gab es erst viel später.

Bis die Griechen kamen, verging noch eine Zeit, aber die hatten einen Lösungsansatz. Ihr Brot war es, das die Abrasion der Zähne zumindest verhinderte, war es doch feiner gemahlen. Doch dann fanden die Menschen Geschmack an den süßen Früchten und die Karies startete ihrerseits ihren bis heute erfolgreichen Einzug in die Mundhöhle.

Im 7. Jahrhundert vor Christus finden sich die ersten bekannten Rezepte zur Behandlung der Zahnleiden. Allerdings nicht nur Mittelchen, sondern auch aus heutiger Sicht Hokus-Pokus sollte dem Leiden ein Ende bereiten. Allzu unappetitliche Methoden wie Überreste von Tieren zu mischen und sich die Zähne damit zu pflegen, erspare ich Ihnen an dieser Stelle.

Dabei war der gute Zahnzustand immer noch ein gewünschter Zustand und in Babylonien wurde per Gesetz mit Strafe bedroht, wer einem anderen die Zähne ausschlug. Sie sollten ihm dann ebenso ausgeschlagen werden. Wir kennen das heutzutage auch noch aus dem später bekanntgewordenen 2. Buch Moses: “…Auge um Auge, Zahn um Zahn…”

Der Zahnarzt als solcher war immer noch nicht “erfunden”. Zwar gab es die grossen Meister, die ihre Forschungen bekannt machten und Ratschläge gaben, wie denn mit Zahnfäule und all den anderen Leiden umzugehen sei, aber der Zahnarzt war noch weit weg. Und die Pflege der Zähne beschränkte sich in vielen Ratschlägen und Anweisungen doch sehr mit Ideen kosmetischer Natur. Bis zur Prohylaxe, also der vorbeugende Behandlung der Zähne, um Schaden soweit als möglich abzuwenden, war es noch ein weiter Weg.

Und so dauerte es bis in 1. Jahrhundert nach Christus, bis die ersten Erwähnungen von Rezepten für Zahnpasten auftauchten. Die reichen Römer/innen hielten sich Zahnputzer, die ihnen die Zähne pflegten. Gibt es bis heute noch. Nur sind es nicht mehr die reichen Römer, die sich eine Zahnreinigung leisten, sondern nahezu jeder Zahnarzt bietet ihnen an, sich von einer extra ausgebildeten Fachkraft die Zähne professionell reinigen zu lassen. Was, nebenbei erwähnt, nur hilft, wenn die mehrmalige tägliche Pflege ebenso gründlich vom Besitzer der Zähne durchgeführt wird.

Man sollte meinen, es wäre alles getan seitens der Gelehrten und der Menschen im Altertum und der frühen Neuzeit. Doch die Nahrung machte allen Anstrengungen immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Und gepflegt wurden oft auch nur die sichtbaren Zähne, die Backenzähne wurden großzügigst vernachlässigt und gingen den ihnen vorbestimmten Weg, nämlich schlicht und ergreifend kaputt. Ein Umstand, der der Vorliebe mancher Menschen für Suppe bestimmt förderlich war.

So sehr sich die Gelehrten auch bemühten, die Masse der Menschen wurde mit den Tipps zur Pflege nicht erreicht. Sei es, weil sie es sich nicht leisten konnten oder keinen Zugang zu dem Wissen hatten. Wer Geld hatte, kaufte sich Zähne, die mehr schlecht als recht befestigt und zusammengeschustert den optischen Eindruck des Schönheitsideals nicht unterstrichen. Und so ging nach dem Untergang des Römischen Reiches auch (fast) das Wissen über Zahnpflege verschütt.

Zahnstocher und diverse Hölzer zum Kauen oder Wischen blieben den Interessierten erhalten. Aus Indien und Mexiko wissen wir heute von bestimmten Holzarten, die sich zur Reinigung der Zähne eigneten, bzw. dafür genutzt wurden. Im Nahen Osten putzt man sich teilweise heute noch mit aufgefaserten Stöckchen die Zähne.

Der aufgefüllte Zahn war der Versuch, die Löcher zu stopfen. Dies gelang auch hin und wieder mit diversen Mitteln, unter anderem schon sehr früh mit Gold, sollte aber immer noch nicht den Berufszweig des Zahnarztes hervorbringen. Kurz gesagt ging es bis ins Mittelalter oft darum, den Schmerz zu lindern statt das Übel im wahrsten Sinne des Wortes an der Wurzel zu packen.

War es gar nicht mehr auszuhalten, so kam der Zahnreisser und rissen die schmerzenden Zähne (oder was er dafür hielt) aus dem Kiefer. Im Mittelalter übernahm diese Aufgabe der Dienstleister, der den Menschen schon bekannt war: Der Bader und Barbier. Handwerkliches Geschick und ein (durchaus manchmal angeeignetes gefährliches) Halbwissen machten ihn zum “Arzt der kleinen Leute”.

Doch die Fortschritte in der Forschung und Lehre waren nicht aufzuhalten und so wurde mit der Möglichkeit der Lokalanästhesie und dem Röntgen auch der Beruf des Zahnarztes, wie wir ihn heute kennen, schliesslich möglich. Heutzutage muss aus meiner Sicht eigentlich niemand mehr Angst vorm Zahnarzt haben. Die Möglichkeiten, sowohl technisch als auch medizinisch, sind so vielfältig, dass man fast für alle Probleme ein Therapie und für fast alle Wünsche ein Angebot finden kann. Und der Fortschritt geht immer weiter. Mit der Umsetzung der Digitalisierung in vielen Bereichen (z.B. keramische Inlays) ist es bereits heute möglich, die Besuche so gering wie möglich zu halten und so wenig wie nötig gesundes Zahnmaterial zu entfernen.

Dies zusammen mit einer professionellen Zahnreinigung und der persönlichen gewissenhaften Pflege lassen uns heute auf Fotos unbekümmert und befreit lächeln und lachen.